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C’est le vin qui fait l’occasion

Weingut Knipser

Weingut Knipser oder edle Tropfen für jede Gelegenheit

17. Februar 2017

Haben Sie schon einmal von einer Rebsorte mit Namen „Gelber Orleans“ gehört? Wir bis dato auch nicht. Eben diese Besonderheit machte uns auf ein Weingut aufmerksam, das sich bereits über Jahrzehnte hinweg besondere Weine produziert. „Das geht nirgendwo so gut wie in der Pfalz“, erläutert uns Volker Knipser, der das Weingut in Laumersheim gemeinsam mit seinem Bruder Werner und seinem Neffen Stephan leitet.

Wir treffen uns mit dem charismatischen Pfälzer in seinem Verkaufsraum, einer kernsanierten alten Scheune. Moderne und traditionelle Elemente prägen das Bild.
Es ist ein Dienstagnachmittag im November und dennoch registrieren wir ein stetes Kommen und Gehen probierwilliger Weinkenner. Manche rüsten ihren Weinkeller für die Feiertage, andere planen ein Familienfest. Und keiner der Gäste verlässt das Weingut, ohne ein paar Kisten edler Tropfen in den Kofferraum zu laden. Ob „Gelber Orleans“ dabei war konnten wir jedoch nicht entdecken.

„Den „Gelben Orleans“, der zu den ältesten Rebsorten Deutschlands gehört, hier wieder anzubauen, war eigentlich die Idee meines Bruders“, erinnert sich Volker Knipser. „Er hatte seine Doktorarbeit an der Bundesanstalt für Rebenzüchtung Geilweilerhof geschrieben und war dabei auf diese Sortenrarität gestoßen. In der Literatur wurde die Langlebigkeit der Weine gelobt, die sogar über die des Rieslings hinausginge. Die späte Reife der Trauben sollte im milden Pfälzer Klima kein Problem darstellen. So wurden 1993 die ersten Reben gepflanzt. Seit 1995 liefert der Wingert jedes Jahr kernige, zuweilen auch kantige, immer aber charaktervolle Weine. Von der Art her kein Charmeur – eher ein markanter Typ mit Tiefgang.“
Der Gelbe Orleans ist natürlich eine Rarität am Rande des Sortiments.
Der Schwerpunkt des Weinguts liegt auf klassischen Rebsorten. Die exzellenten Burgunder- und Riesling-Weine erreichen oft Höchstbewertungen der Weinführer wie Eichelmann, Gault Millau, Der Feinschmecker…, um nur einige zu nennen. Zahlreiche Auszeichnungen und Prämierungen dokumentieren die hohe Qualität.
„Jüngste Auszeichnung: Weingut des Jahres 2017 im Aral Schlemmeratlas“, freut sich Volker Knipser.

Konsequenz führt zum Erfolg

„Das Motto unserer Weinphilosophie ist „Kraft und Eleganz“, erläutert Volker Knipser. Der sympathische Pfälzer ist stolz auf das Erreichte: „Wir haben uns bereits zu einem frühen Zeitpunkt von der Massenproduktion, wie sie im Deutschland der Nachkriegszeit aufgekommen war, distanziert und sind eigene Wege gegangen.“ Durch die verstärkte Neuanpflanzung auch internationaler Rebsorten und den Ausbau im Barrique hat die Familie es geschafft, zu einer festen Größe, nicht nur auf dem deutschen, sondern auch auf dem internationalen Wein-Parkett, zu werden.

Das Weingut Knipser liegt in Laumersheim, im nördlichen Teil der Pfalz.
Die Böden haben hier einerseits sandige, kiesige, andererseits kalkhaltige Untergründe. Löß bildet in allen Lagen den Oberboden. Dies bietet gute Bedingungen mineralstoffreiche, stoffige, ausdrucksstarke Weine zu erzeugen, die trotzdem feingliedrig und elegant daherkommen können.
In Verbindung mit den geringen Niederschlägen fühlen sich hier viele Rebsorten wohl.
Auf rund 60 Hektar stehen jeweils zur Hälfte Rotwein- und Weisswein Reben. Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Gewürztraminer, Sylvaner, Gelber Orleans, Spätburgunder, St. Laurent, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Syrah und Lemberger.
Der Rebsortenspiegel des Pfälzer Weingutes ist buntgemischt und vielfältig.
Auch die französischen Klassiker fühlen sich sichtlich wohl und reifen zu charaktervollen Tropfen heran.
Charakter ist überhaupt ein wichtiges Wort für die Knipsers. Leicht, spritzig, frisch, blitzsaubere Frucht, animierende Weine, die Lust auf mehr machen oder komplex gereift und intensiv.
Manche Weine kommen schon ein halbes Jahr nach der Ernte auf die Flasche, andere erst nach einem bis eineinhalb Jahren Reifung, zum Teil im Barriquefass. Letztere kommen dann auch erst nach vier bis fünf Jahren Flaschenreife in den Verkauf.
Über 95% der Weine werden trocken abgefüllt.

Internationale Rebsorten pfälzisch interpretiert

Als eines der ersten Weingüter pflanzte Knipser Ende der 80er Jahre Cabernet Sauvignon in die Pfälzer Erde. Nachdem die ersten Träubchen geerntet waren zeigte sich sehr schnell dass die Sorte sich auch hier wohlfühlte. Das machte Mut, weiteren französischen Sorten eine neue Heimat zu bieten. 1994 folgten Cabernet Franc, Merlot, Syrah, Sauvignon Blanc.
Sauvignon Blanc hat sich seither regelrecht zu einer Trendrebsorte entwickelt. Die aromatisch fruchtigen Weißweine erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. Die Anbaufläche in Deutschland steigt stetig.  Der 2015er Jahrgang war bei Knipser dann auch Ende August schon viel zu früh ausverkauft.
Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc sind die Hauptrebsorten im Bordelais. Nach Bordeaux-Vorbild werden die drei Rebsorten dann auch nach dem Ausbau im Barriquefass zu einem Wein komponiert und als Cuvée X abgefüllt. Dieser Wein gelangt erst 4-5 Jahre nach der Ernte in den Handel. Er stellt einen der Spitzenweine des Weingutes dar.  
Hauptrebsorte bei den Rotweinen bleibt aber der Spätburgunder. Die längere Reifeperiode im pfälzer Klima dankt die Traube mit großer Eleganz und Finesse. Die Weine sind etwas heller als die anderer Rotweinsorten, zeigen wie der Riesling mineralische Struktur.

Qualität durch Ertragsbeschränkung

„Als Mitglied des Vereins Deutscher Prädikatsweingüter, VDP, nennen wir seit 2001 die Rieslinge, Spätburgunder und Weißburgunder aus den besten Lagen „Große Gewächse“. Die daraus hervorgehenden Weine sind von internationalem Format und müssen Jahr für Jahr neu nach strengen Richtlinien „erarbeitet“ werden. Denn neben einer guten Lage ist viel Arbeit, eine strikte Ertragsbeschränkung und Selektion im Weinberg erforderlich, um den Charakter der Lage schmeckbar werden zu lassen. Nur wenn ein erstklassiger Weinberg auch entsprechend gepflegt wird, und die Trauben behutsam zu Wein werden können, entstehen großartige Weine.“
Das belegen der vielschichtige, von intensiven Nuss- und Birnentönen geprägte „Kirschgarten GG“ Weißburgunder, der „Mandelpfad GG“ Riesling mit seiner zarten Würze, den mineralischen Noten und den feinen Aromen von Pfirsichen und Zitrusfrüchten. Oder auch der „Steinbuckel GG“ Riesling, ein vom Kalk geprägter sehr nachhaltiger, langlebiger Wein, der erst nach Jahren seinen Höhepunkt erreicht.

Und auch die Großen Gewächse vom Spätburgunder gehören zu den besten des Landes. Das wären „Burgweg GG“, „Kirschgarten GG“ oder vom „Mandelpfad GG“.
vom Kalk geprägte, sehr nachhaltige, langlebige Weine, die erst 5-10 Jahre nach der Ernte ihre Trinkreife erreichen. Seit September ist der Jahrgang 2012 im Verkauf.
Diese Weine reifen 12 bis 18 Monate in kleinen 225 l Eichenholz-Fässern. Dort entwickeln sie betörende Aromen nach Beerenfrüchten, Himbeeren und Kirschen.
Die Klärung der Weine erfolgt über mehrfaches Abziehen wodurch auf eine Filtration meist verzichtet werden kann.
Volker Knipser gibt uns die Gelegenheit, mit ihm gemeinsam das neue Kellergebäude zu besuchen. „Aufgrund des früher hohen Grundwasserspiegels gibt es im unteren Teil von Laumersheim keine tiefen Keller. So wurde auch das 2002 errichtete Gebäude nicht in die Erde gegraben.
Von den Laufwegen her durchaus ein Vorteil! Durch dicke Porotonwände und moderne Isolationstechnik können die Weine hier auch im Sommer bei kühlen Temperaturen reifen und sich entwickeln, ohne dass energieaufwändig gekühlt werden muss.
Hier sind Flaschenlager, Kelterhaus, der Edelstahlkeller, und das Barriquelager in dem in besten Zeiten bis zu 1600 Holzfässer lagern“, erklärt Volker Knipser uns stolz. Nach der Abfüllung werden die jungen frischen Weine direkt verkauft. Speziell die komplexeren Weine lagern aber erst noch ein paar Jahre auf der Flasche, ehe sie in den Keller verlassen dürfen.

„Ob Großes Gewächs oder Gutswein, wir produzieren die Weine alle nach unseren Vorstellungen. Weine, die uns nicht schmecken, gibt es bei uns nicht“, erläutert er uns und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Wir verkaufen nur das, was wir nicht selbst trinken können“.
„Wein und Trinkgelegenheit müssen zusammenpassen“, gibt uns Volker Knipser mit auf den Weg. Erfrischung während einer Gartenparty, ein guter Tischwein zu Fisch, Fleisch oder Gemüse darf ebenso wenig fehlen, wie der edle Tropfen zu einem perfekten Dinner, oder auch der ganz besondere Wein der alles andere zur Nebensächlichkeit werden lässt.

Die Weine des Weinguts Knipser findet man in der gehobenen Gastronomie von München bis Hamburg, sowie in vielen Weinfachgeschäften der Republik. Man kann sie aber auch direkt im Weingut kaufen wo es auch die Möglichkeit der Verkostung gibt.
 „Natürlich auch in unserem eigenen Gutsausschank „Halbstück“ in Bissersheim.“ empfiehlt Volker Knipser:
www.weingut-knipser.de www.halbstueck.de www.vdp.de