Einfamilienhaus in Aalen, realisiert im 3D-Gebäudedruck durch Rupp Gebäudedruck, April 2026; Projekt zeigt verkürzte Rohbauzeiten und Integration von Gewerken im Druckprozess als Ansatz für industrielles Bauen.
Schneller Rohbau durch automatisierten Druckprozess
In Aalen entsteht derzeit ein Einfamilienhaus im 3D-Gebäudedruck, das in rund sechs Wochen bis zum Rohbau realisiert wird. Das Projekt der Rupp Gebäudedruck GmbH umfasst ein zweigeschossiges Gebäude mit Keller, Dachterrasse und Garage sowie insgesamt 224 Quadratmeter Wohnfläche und neun Zimmer.

Der Bau erfolgt mit dem Großformatdrucker COBOD BOD2, dessen modularer Aufbau einen Druckraum von bis zu 15 Metern Breite, zehn Metern Höhe und über 17 Metern Länge ermöglicht. Die eingesetzte Technologie erlaubt eine kontinuierliche, automatisierte Erstellung der tragenden Wandstrukturen.

Das Erdgeschoss wurde innerhalb von sechs Arbeitstagen gedruckt, für das Obergeschoss sind vier Arbeitstage vorgesehen. Die gesamte Rohbauzeit beläuft sich auf rund sechs Wochen.
Standardisierter Trockenbeton im 3D-Gebäudedruck
Gedruckt wird mit genormtem Trockenbeton des Herstellers Sievert. Der Verzicht auf zusätzliche Additive markiert einen technologischen Schritt in Richtung Standardisierung des Bauprozesses.
Michael Oßwald, Geschäftsführer der Rupp Gebäudedruck GmbH, verweist auf die gleichbleibende Materialqualität bei gleichzeitig hoher Prozessstabilität. Die präzise Steuerung des Druckers ermöglicht eine reproduzierbare Ausführung der Bauteile und reduziert Abweichungen im Bauablauf.

Integration von Gewerken im Bauprozess
Ein zentraler Aspekt des Projekts ist die Integration von Gewerken bereits während des Druckprozesses. Installationen für Elektro, Wasser und Abwasser werden planerisch vorab berücksichtigt und direkt in die Druckgeometrie eingebunden.
Der Drucker spart während der Ausführung gezielt Hohlräume für Leitungen aus. Dadurch entfallen nachgelagerte Schlitze und Anpassungen. Parallel zum Druck des Obergeschosses können Ausbaugewerke im Erdgeschoss beginnen.

Schalensystem und Energieeffizienz im EH55-Standard
Das Gebäude wird im Schalensystem ausgeführt und erhält eine außenliegende Wärmedämmung. Die Konstruktion erfüllt den EH55-Standard und entspricht damit aktuellen Anforderungen an energieeffizientes Bauen.
Auch beim Keller kommt eine hybride Bauweise zum Einsatz. Vorgefertigte 3D-gedruckte Elemente werden mit konventionellen Betonfertigteilen kombiniert. Diese Kombination ermöglicht eine Anpassung an unterschiedliche konstruktive Anforderungen.
Die präzise Planbarkeit der Materialmengen reduziert Überschuss und trägt zur Ressourceneffizienz des Bauprozesses bei.
Architektur zwischen sichtbarer Struktur und Putzoberfläche
Das architektonische Konzept kombiniert sichtbare 3D-Druck-Strukturen mit klassisch verputzten Flächen. Dadurch entsteht ein Materialwechsel, der die Bauweise ablesbar macht, ohne die üblichen Oberflächenqualitäten zu verändern.
Anna Hanisch, Leiterin Architektur bei Rupp Gebäudedruck, beschreibt die Gestaltung als Verbindung von technologischer Sichtbarkeit und etablierten Bauprinzipien.
Schlüsselfertige Umsetzung aus einer Hand
Die Planung und Realisierung erfolgt vollständig durch die Rupp Gebäudedruck GmbH in Zusammenarbeit mit der Rupp Gruppe. Die Koordination aller Bauphasen sowie die Integration der Gewerke liegen in einer Hand.
Jasmin Baur, Leiterin Schlüsselfertigbau, sieht in der Technologie eine Kombination aus verkürzten Bauzeiten, präziser Ausführung und erhöhter Planungs- und Kostensicherheit.
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