Andreas Günther, Geschäftsführer der CARAT GmbH, erläutert im Interview mit küche + architektur, welche Rolle digitale Prozesse, Datenqualität und Künstliche Intelligenz für die zukünftige Entwicklung des Küchenfachhandels spielen.
Küchenplanung endet heute nicht mehr am Bildschirm. Datenqualität, Cloud-Technologien, Künstliche Intelligenz und durchgängige Prozesssteuerung verändern den Arbeitsalltag in Küchenstudios zunehmend.
Welche Rolle Softwareplattformen künftig übernehmen und wie sich Planung, Beratung und Service weiterentwickeln, erläutert Andreas Günther, Geschäftsführer von CARAT, im Gespräch mit küche + architektur.
Digitalisierung entlang des gesamten Küchenprojekts
Anders als noch vor wenigen Jahren entscheidet sich der Erfolg eines Küchenprojekts längst nicht mehr ausschließlich am Planungsarbeitsplatz. Planung, Warenwirtschaft, Montage, Service und Kundenkommunikation wachsen zunehmend zu einem durchgängigen digitalen Prozess zusammen. Parallel gewinnen Cloud-Technologien, hochwertige Produktdaten und Künstliche Intelligenz an Bedeutung. Gleichzeitig verändert sich die Küche selbst: Sie wird immer häufiger als Bestandteil ganzheitlicher Wohn- und Raumkonzepte geplant.
Vor diesem Hintergrund verändert sich auch die Rolle klassischer Planungssoftware. Andreas Günther, Geschäftsführer von CARAT, beschreibt im Gespräch mit küche + architektur, warum Digitalisierung heute weit über die eigentliche Küchenplanung hinausreicht und welche Entwicklungen den Küchenhandel in den kommenden Jahren prägen werden.
Prozesse statt Insellösungen
Die eigentliche Planung sieht Andreas Günther heute längst nicht mehr als größte Herausforderung. Moderne Visualisierungssysteme hätten ein hohes Niveau erreicht. Der eigentliche Veränderungsdruck entstehe vielmehr dort, wo Planung, kaufmännische Abläufe und Kundenkommunikation ineinandergreifen. Ziel sei es, Mitarbeiter durch automatisierte Prozesse und Cloud-Lösungen von administrativen Aufgaben zu entlasten und dadurch mehr Zeit für Beratung und Verkauf zu schaffen.
Ein wesentlicher Hemmschuh seien weiterhin voneinander getrennte Softwarelösungen. Müssen Daten mehrfach erfasst oder zwischen unterschiedlichen Programmen übertragen werden, entstehen nach seiner Einschätzung unnötige Fehlerquellen und zusätzlicher Aufwand. Medienbrüche wirkten sich häufig erst auf der Baustelle aus und führten dort zu Reklamationen und vermeidbaren Folgekosten.

Die Prozesssteuerung entwickle sich deshalb zunehmend zu einem wirtschaftlichen Erfolgsfaktor. Während früher vor allem der Verkauf einer Küche im Mittelpunkt stand, entscheide heute die Qualität der gesamten Auftragsabwicklung über Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Besonders auf der Baustelle ließen sich durch eine lückenlose Verknüpfung von Planung und Auftrag zahlreiche Fehler bereits im Vorfeld vermeiden.
Daten als Grundlage
Nach Ansicht von Andreas Günther wird Datenqualität künftig eine ähnliche Bedeutung erhalten wie die eigentliche Planungskompetenz. Produktinformationen, Visualisierungsdaten und technische Informationen müssten über sämtliche Prozessschritte hinweg konsistent verfügbar sein. Fehlerhafte Daten führten unmittelbar zu fehlerhaften Angeboten, Bestellungen oder Rückfragen. Gleichzeitig bildeten hochwertige Daten die Grundlage für moderne Visualisierung sowie den Einsatz Künstlicher Intelligenz.
Die Verantwortung dafür liege nicht allein bei den Softwareanbietern. Auch Industrieunternehmen seien gefordert, Produktinformationen, technische Daten, Videos und Dokumentationen vollständig und aktuell bereitzustellen. Nur wenn Hersteller und Softwarepartner eng zusammenarbeiten, könne eine durchgängige digitale Prozesskette entstehen.

Künstliche Intelligenz im Planungsalltag
Mit dem zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz verschiebt sich nach Einschätzung von Andreas Günther auch die Rolle moderner Planungssoftware. KI werde den Planer auf absehbare Zeit nicht ersetzen, sondern ihn bei wiederkehrenden Aufgaben und komplexen Entscheidungsprozessen unterstützen. Bereits heute kommen intelligente Assistenzfunktionen zum Einsatz, die Planungsqualität sichern, Fehler frühzeitig erkennen und Arbeitsabläufe beschleunigen.
Vollautomatisierte Küchenplanungen hält Günther zwar langfristig für denkbar. Den größeren Nutzen sieht er jedoch in der intelligenten Unterstützung des Menschen. Kreativität, Beratungskompetenz und das Gespür für individuelle Kundenwünsche blieben weiterhin zentrale Bestandteile erfolgreicher Küchenplanung. Künstliche Intelligenz könne vor allem administrative Aufgaben übernehmen und dadurch zusätzliche Freiräume für die eigentliche Beratung schaffen.

Küche und Wohnraum
Parallel verändert sich auch die planerische Aufgabe selbst. Küchen werden zunehmend als Bestandteil offener Wohnkonzepte verstanden. Daraus ergeben sich nicht nur höhere gestalterische Anforderungen, sondern auch zusätzliche Anforderungen an die zugrunde liegenden Softwareprozesse. Wohnmöbel, Sonderanfertigungen und Lichtkonzepte müssen heute ebenso zuverlässig verarbeitet werden wie klassische Küchenplanungen.
Nach Einschätzung von Andreas Günther gewinnt deshalb die realitätsnahe Visualisierung weiter an Bedeutung. Fotorealistische Darstellungen helfen dabei, Materialien, Lichtstimmungen und Raumproportionen bereits während der Planung nachvollziehbar zu vermitteln. Gleichzeitig erleichtern sie Kunden die Vorstellung ihres zukünftigen Wohnraums und unterstützen den Entscheidungsprozess.
Der Blick bis 2030
Für die kommenden Jahre erwartet Andreas Günther eine weitere Entwicklung hin zu vollständig vernetzten Softwareplattformen. Insellösungen würden zunehmend durch integrierte Systeme ersetzt, während Cloud-Technologien und Künstliche Intelligenz zum Standard werden. Gleichzeitig gewinne die Qualität strukturierter Daten weiter an Bedeutung, da sie die Grundlage für automatisierte Prozesse und intelligente Assistenzsysteme bilde.
Auch die Software selbst werde sich verändern. Personalisierte Anwendungen, die sich an unterschiedliche Arbeitsweisen anpassen, sowie KI-gestützte Begleiter entlang der gesamten Customer Journey gehörten aus seiner Sicht zu den zentralen Entwicklungen der kommenden Jahre. Ziel sei eine durchgängige digitale Prozesskette – vom ersten Kundenkontakt über Planung und Auftrag bis hin zu Lieferung, Montage und Service.
Mit diesen Themen will CARAT auch während der diesjährigen Herbstmesse auf Gut Böckel Einblicke in die weitere Entwicklung seiner Plattform geben.
Ob Datenmanagement, Künstliche Intelligenz oder durchgängige Prozesssteuerung – die Anforderungen an Softwareplattformen wachsen kontinuierlich. Andreas Günther sieht darin den nächsten Entwicklungsschritt des digitalen Küchenverkaufs. Einen Ausblick auf kommende Lösungen will CARAT im September auf Gut Böckel geben.
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