Die deutsche Möbelindustrie hat im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatzrückgang von 2,7 Prozent verzeichnet. Während die Inlandsnachfrage deutlich nachgab, behauptete sich die Küchenmöbelindustrie als stabilstes Segment: Ihr Umsatz stieg um 1 Prozent auf rund 2,9 Milliarden Euro.
Möbelindustrie zwischen Umsatzdruck und stabilem Küchensegment
Die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der deutschen Möbelindustrie driftet auseinander. Während der Gesamtumsatz der 374 erfassten Betriebe von Januar bis Juni 2026 um 2,7 Prozent auf rund 7,7 Milliarden Euro sank, setzte sich die Küchenmöbelindustrie vom Branchentrend ab. Mit einem Umsatzplus von 1 Prozent auf rund 2,9 Milliarden Euro war sie das stabilste der vom Verband der Deutschen Möbelindustrie ausgewiesenen Segmente.
In den übrigen Bereichen fielen die Rückgänge zum Teil deutlich aus. Die Hersteller von Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbeln sowie Möbelteilen erzielten mit 2,3 Milliarden Euro 5 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahreszeitraum. In der Polstermöbelindustrie gingen die Erlöse um 10 Prozent auf 423 Millionen Euro zurück. Die Matratzenhersteller lagen 5,1 Prozent unter dem Vorjahreswert, die Produzenten von Büro- und Ladenmöbeln verzeichneten ein Minus von 3,5 Prozent.
Schwaches Inlandsgeschäft
Entscheidend für die Gesamtentwicklung war vor allem die verhaltene Nachfrage im Inland. Die Umsätze auf dem deutschen Markt sanken um 4,1 Prozent auf rund 5 Milliarden Euro. Das Auslandsgeschäft blieb mit 2,7 Milliarden Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Dadurch erhöhte sich die Exportquote um einen Prozentpunkt auf 35,2 Prozent.
„Für unsere Unternehmen bleiben die Rahmenbedingungen äußerst herausfordernd“, sagte Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie, auf der Jahres-Wirtschaftspressekonferenz am 1. September 2026 in Köln. Einer Verbandsumfrage zufolge planten 40 Prozent der Unternehmen für das dritte Quartal Kurzarbeit. Neben dem schwachen Konsumklima nannte Jan Kurth steigende Material-, Energie- und Lohnkosten, wachsende bürokratische Anforderungen, fehlende Impulse aus dem Wohnungsbau sowie einen zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck als Belastungsfaktoren.
Dem Wohnungsbau misst der Verband besonderen Einfluss auf die Nachfrage nach Möbeln bei. Zwar stieg die Zahl der Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2026 wieder an. Für die Wohnungsfertigstellungen wird jedoch erneut ein Rückgang erwartet. Nach Einschätzung von Jan Kurth führen weniger Neubauten und Umzüge unmittelbar zu einer geringeren Nachfrage nach Möbeln. Ein Bericht des Pestel-Instituts beziffert den Wohnungsmangel in Deutschland auf 1,35 Millionen Wohnungen.
Zusätzlichen Aufwand verursachen die wachsenden regulatorischen Anforderungen auf europäischer Ebene. Die Umsetzung der EU-Ökodesign-Verordnung einschließlich des Digitalen Produktpasses sowie Vorgaben wie die europäische Verpackungsverordnung binden nach Darstellung des Verbandes erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen. Die Möbelindustrie fordert deshalb praxisgerechte Regelungen und ausreichende Übergangsfristen.
Auch die fortschreitende Konzentration im Möbelhandel bewertet der Verband kritisch. „Unsere mittelständischen Möbelproduzenten sehen sich immer weniger, zugleich aber immer größeren Handelspartnern gegenüber“, so Jan Kurth. Vor diesem Hintergrund beurteilt er auch die geplante Übernahme der Porta-Gruppe durch XXXLutz kritisch.
Export und Importdruck
Auf den wichtigsten Auslandsmärkten entwickelte sich die Nachfrage uneinheitlich. Die Ausfuhren nach Frankreich stiegen um 2,6 Prozent, die Lieferungen in die Schweiz um 2,1 Prozent und in die Niederlande um 0,1 Prozent. Zuwächse wurden außerdem in Belgien, Polen und Spanien erzielt. Rückgänge gab es dagegen in Österreich mit 3,3 Prozent, im Vereinigten Königreich mit 6,5 Prozent und in Italien mit 2,6 Prozent.
Besonders deutlich sanken die Exporte in die Vereinigten Staaten. Aufgrund der US-Zölle gingen die Ausfuhren dorthin um fast 15 Prozent zurück. Das Geschäft mit China blieb infolge der schwachen Nachfrage 2,1 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Die Möbeleinfuhren nach Deutschland nahmen im ersten Halbjahr zwar um 4,3 Prozent ab. Dennoch stammten rund 60 Prozent der in Deutschland verkauften Möbel aus dem Ausland. Im Jahr 2019 hatte der Importanteil bei 44 Prozent gelegen. China und Polen blieben mit einem gemeinsamen Anteil von 60 Prozent an den Möbeleinfuhren die mit Abstand wichtigsten Lieferländer, obwohl die Importe aus China um 2,4 Prozent und aus Polen um 1,5 Prozent zurückgingen. Auch aus Italien, der Türkei, Vietnam und Rumänien wurden weniger Möbel eingeführt.
Mit Blick auf China verwies Jan Kurth auf staatlich gelenkte und subventionierte Produktions- und Exportstrukturen sowie eine aus seiner Sicht stark unterbewertete chinesische Währung. „Beim Blick nach China sollten wir nicht naiv sein“, sagte der Verbandsgeschäftsführer und forderte auf europäischer Ebene eine Diskussion über allgemeine Schutzzölle.
Potenziale für die deutschen Möbelhersteller sieht Jan Kurth in der Weiterentwicklung von Produkten und Prozessen, in neuen Vertriebswegen, im Objektgeschäft und in einer stärkeren internationalen Ausrichtung. Dabei verweist er auf handwerkliche und industrielle Kompetenz, Qualität, verantwortungsvolle Produktionsbedingungen, kurze Transportwege und verlässliche Lieferketten als Merkmale von Möbeln aus deutscher Produktion.
Für das Gesamtjahr bleibt die Einschätzung des Verbandes zurückhaltend. „Wir rechnen mit einem Umsatzrückgang von rund 3 Prozent“, prognostizierte der Geschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie. Die Mehrheit der Hersteller erwartet im weiteren Jahresverlauf keine spürbare Belebung der Nachfrage, die über die üblichen saisonalen Effekte hinausgeht.
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