Im Gemeinschaftsbereich verzahnt sich die maßgefertigte Bibliothek mit der Treppenanlage. Möblierung und Architektur bilden dadurch ein durchgängiges räumliches System.
Die Neugestaltung eines Maisonette-Apartments in Mailand zeigt, wie sich bestehende Grundrisse durch eine neue räumliche Logik an veränderte Wohnbedürfnisse anpassen lassen. Eine diagonale Organisation der Flächen sowie maßgefertigte Einbauten strukturieren die Wohnung über zwei Ebenen neu.
Für das Projekt entwickelten Studio Tenca & Associati und Mo.1950 ein Interior-Konzept für eine vierköpfige Familie, bei dem Möblierung und Architektur gleichermaßen zur räumlichen Organisation beitragen.

Neuordnung eines Bestandsgrundrisses
Die beiden obersten Geschosse eines Wohngebäudes in der Mailänder Viale Papiniano wurden vollständig neu organisiert. Ausgangspunkt des Entwurfs war die Anpassung des Apartments an die Anforderungen einer Familie mit zwei Kindern. Dafür wurden nicht nur die Funktionen der Räume neu verteilt, sondern auch Einbauten und Möbelsysteme als integraler Bestandteil der Architektur verstanden. Bereits in den frühen Planungsphasen arbeitete Studio Tenca & Associati mit Mo.1950 an individuellen Lösungen für die Innenausstattung.

Diagonale Ordnung
Ausgangspunkt der Neuorganisation ist eine diagonale Grundrissfigur, die sich durch beide Ebenen zieht. Diese räumliche Strategie nutzt das Tageslicht der vorhandenen Fenster und strukturiert die privaten Bereiche neu. In der Folge entstanden drei Schlafzimmer sowie zwei innenliegende Bäder, die jeweils der Elternsuite beziehungsweise den Kinderzimmern zugeordnet wurden.

Gleichzeitig übernimmt das Raumtrennsystem Freedhome von Caccaro mehrere Funktionen. In seiner doppelseitigen Ausführung gliedert es die Räume, bildet eine wandartige Struktur im Eingangsbereich aus und definiert die räumliche Tiefe der Wohnung. Zur Elternsuite hin wurde die matte Oberfläche Marea gewählt, während auf der Seite der Kinderzimmer die Ausführung Lamè Bianconeve zum Einsatz kommt. Ergänzend dazu wurden lackierte Regale in einem matten Puderton mit Schreib- und Schminktisch zu durchgängigen Einbauten verbunden. Dadurch entsteht eine zusammenhängende Möbellandschaft, die fest in die Architektur eingebunden ist.

Gemeinschaft und Rückzug
Die neue Raumorganisation verändert auch die Nutzung der beiden Ebenen. Das ursprünglich für Wohnen, Kochen und Schlafen vorgesehene erste Geschoss wurde zu einem großzügigen Gemeinschaftsbereich umgestaltet. Dort verzahnt sich eine maßgefertigte Bibliothek mit der Treppenanlage und wird Teil des architektonischen Volumens. Ein Projektor mit versenkbarer Leinwand erweitert die Nutzung des Wohnraums, während ein integrierter Barbereich zusätzliche Aufenthaltsqualitäten schafft. Zum Interior gehören außerdem der Sessel Riviera von Frag sowie der Teppich Deck von Carpet Edition nach einem Entwurf von Simone Cagnazzo.


Im Obergeschoss wurde dagegen eine bisher als Arbeitsbereich vorgesehene Fläche neu interpretiert. Auf dieser Grundlage entstand ein Essbereich, in den eine Küche des Typs Maxima 2.2 von Cesar integriert wurde. Die Ausführung kombiniert Naturquarz-Eiche mit Aluminium in der Farbvariante Brina sowie Arbeitsplatten aus Feinsteinzeug und reagiert damit auf die veränderte Nutzung des Raums.
Material und Kontinuität
Puder-, Blau- und Weißtöne prägen die Farbpalette des Apartments. In Verbindung mit hellen Eichenböden und Elementen aus Ceppo di Gré entsteht eine durchgängige Materialsprache, die beide Ebenen miteinander verbindet.

Diese Kontinuität setzt sich auch im Obergeschoss fort: Dort erhielt das Bad eine maßgefertigte Corian-Wanne von Rexa, während Ceppo di Gré die Wand- und Oberflächenverkleidungen bestimmt und Eichenholz erneut als Bodenmaterial eingesetzt wird.


Auch die Beziehung zwischen Innen- und Außenraum wurde neu definiert. Eine Pergola mit beweglichen Glaswänden ermöglicht eine saisonal unterschiedliche Nutzung des Außenbereichs und erweitert die Wohnfläche nach außen. Die für Terrasse und Außenraum ausgewählten Caesar-Fliesen finden sich darüber hinaus am Eingangswaschtisch sowie im Küchenboden wieder. Dadurch entsteht eine visuelle und materielle Verbindung zwischen Innen- und Außenbereichen.

Einbauten als Architektur
Auch im Obergeschoss übernehmen maßgefertigte Einbauten räumliche Funktionen. Hinter beweglichen Paneelen verbirgt sich die Waschküche, wodurch die Nebenfunktionen in die Gesamtgestaltung integriert werden. Der angrenzende Relaxbereich wird durch den Teppich The Floor Is Lava von Carpet Edition nach einem Entwurf von PLACéE akzentuiert, dessen unregelmäßige Konturen die Gestaltung ergänzen. Insgesamt zeigt das Projekt, wie Möbelsysteme und Innenarchitektur gemeinsam zur Neuorganisation eines Bestandsgrundrisses beitragen können.
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