Vesturvin in Reykjavík umfasst 210 Wohnungen mit Interior Design von Studio Marco Piva. Das Projekt verbindet nordische Architektur mit integrierten italienischen Ausstattungslösungen für den Wohnungsbau.
Wohnprojekt zwischen nordischer Architektur und italienischer Innenarchitektur
Mit Vesturvin ist nahe des Hafens von Reykjavík ein Wohnprojekt entstanden, das den nordischen Umgang mit Licht, Materialität und räumlicher Ruhe mit italienisch geprägten Ausbau- und Interior-Konzepten verbindet. Studio Marco Piva entwickelte für den Komplex mit 210 Wohnungen ein Innenraumkonzept, das die landschaftlichen und atmosphärischen Bedingungen Islands zum Ausgangspunkt der Gestaltung macht.

Alle Fotos: Maurizio Morra
Das Projekt umfasst sechs Gebäude innerhalb eines ehemaligen Industrieareals. Für die Innenräume wurden drei unterschiedliche Gestaltungslinien entwickelt, die jeweils eigene Material- und Farbwelten formulieren, zugleich jedoch eng mit der architektonischen Struktur des Ensembles verbunden bleiben. Die sechs Baukörper werden dadurch nicht isoliert behandelt, sondern als zusammenhängendes räumliches System gelesen.
Voll ausgestattete Wohnungen als Teil des Projektansatzes
Im Mittelpunkt steht dabei weniger die formale Differenzierung als der planerische Ansatz des Projekts. Sämtliche Wohnungen wurden vollständig ausgestattet verkauft – einschließlich Küchen, Türen, Schranklösungen und Bädern. Entwickelt und geliefert wurden die festen Einbauten gemeinsam mit italienischen Unternehmen wie Cassina und Lema, die als Main Contractor am Projekt beteiligt waren.
Der Ansatz folgt einem in Europa verbreiteten Turnkey-Modell, das im isländischen Wohnungsbau bislang nur selten Anwendung findet. Architektur und Innenarchitektur werden dabei nicht getrennt betrachtet. Vielmehr greifen Materialität, Lichtführung, Möblierung und feste Einbauten ineinander und definieren die Wohnungen bereits im Verkaufsprozess als vollständig ausgearbeitete Wohnräume.
Die integrierte Fit-out-Strategie schafft dabei eine gestalterische Kontinuität zwischen Gebäudehülle und Innenraum. Farbigkeit, Oberflächen und Materialien wurden über alle Maßstabsebenen hinweg aufeinander abgestimmt.
Drei Interior-Konzepte mit Bezug zur isländischen Landschaft
Ausgangspunkt für die drei Interior-Konzepte „Steam of Iceland“, „Urban Ocean“ und „Arctic Blue“ war die isländische Landschaft selbst. Gegensätze zwischen Eis und vulkanischer Aktivität, diffuse Lichtstimmungen sowie die Farbigkeit von Wasser, Gestein und Tundra bilden den atmosphärischen Rahmen der Gestaltung.
Steam of Iceland“ interpretiert die Begegnung von Feuer und Eis als ruhige, zeitlose Wohnwelt. Helle Oberflächen, reduzierte Materialwechsel und eine zurückhaltende Farbpalette verleihen den Räumen eine besondere Gelassenheit. Das Konzept richtet sich an Menschen, die klassische und beständige Wohnbilder schätzen.


Lichtführung und Materialität im Innenraum
Das fotografierte Apartment interpretiert den Ansatz „Steam of Iceland“. Tageslicht wird dabei als wesentliches Gestaltungsmittel verstanden. Es verändert die Wirkung von Oberflächen und Materialien im Verlauf des Tages und prägt die räumliche Wahrnehmung der Innenräume.
Die Materialpalette bleibt bewusst zurückhaltend. Weiß erscheint nicht als homogene Fläche, sondern differenziert sich über unterschiedliche Texturen und Oberflächenqualitäten. Licht modelliert Volumen, hebt Materialwechsel hervor und verändert die Tiefenwirkung der Räume.

Studio Marco Piva beschreibt diesen Ansatz als „Warm Minimalism“. Gemeint ist eine reduzierte Formensprache, in der Materialität und Verarbeitung stärker in den Vordergrund treten. Die Innenräume folgen dabei keinem dekorativen Prinzip, sondern entwickeln ihre Wirkung über Proportion, Licht und Material.
Der Entwurf versteht sich zugleich als Auseinandersetzung mit der bestehenden Architektur. Innenräume und Gebäudehülle bleiben eng miteinander verbunden. Die Räume wurden darauf ausgelegt, die Wahrnehmung von Offenheit und natürlichem Licht innerhalb der nordischen Lichtverhältnisse zu verstärken.

„Urban Ocean“ beschreibt die Beziehung zwischen Reykjavík und dem Arktischen Ozean. Grün- und Aquamarintöne greifen Gletscherlandschaften, Tundraflächen und die Farbigkeit des nordischen Lichts auf. Entwickelt wurde das Konzept für ein jüngeres Wohnumfeld.



„Arctic Blue“ arbeitet mit unterschiedlichen Blaunuancen und weich modellierten Formen, die an kristalline Eisstrukturen erinnern. Die Räume folgen einer ruhigeren, stärker verdichteten Materialwirkung.
Arbeiten von Sweet Salone im Projekt Vesturvin
Ergänzt wird das Projekt durch Arbeiten von Sweet Salone, einer von der Aurora Foundation initiierten Kooperation zwischen Designerinnen und Designern aus Island sowie Kunsthandwerkenden aus Sierra Leone.
Die Objekte entstehen aus lokalen Materialien wie Naturfasern und Ton. Entworfen werden sie in Island, gefertigt in Sierra Leone. Grundlage der Arbeiten sind traditionelle handwerkliche Techniken, die in einen zeitgenössischen Gestaltungskontext übertragen werden.
Auch interessant dazu:
Anzeige









