Auf der AMK-Wirtschaftspressekonferenz in Köln präsentierten Alexander Wolf (NIQ/GfK), Volker Irle (AMK), Bernd Weisser (nobilia) und Christian Gerwens (Miele) die aktuellen Kennzahlen und Perspektiven der deutschen Küchenbranche.
Küchenmöbel bleiben Wachstumsträger der Möbelbranche
Die deutsche Küchenbranche hat sich 2025 in einem weiterhin herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld vergleichsweise stabil entwickelt. Trotz anhaltender Konsumzurückhaltung, geopolitischer Unsicherheiten und der Schwäche im Wohnungsbau lag der Gesamtumsatz der deutschen Küchenmöbelindustrie mit rund 5,63 Milliarden Euro nur geringfügig unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig konnte der Küchenfachhandel seine Umsätze steigern und seine Bedeutung im Markt für Hausgeräte weiter ausbauen.
Diese Bilanz zog die Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche (AMK) auf ihrer Wirtschaftspressekonferenz in Köln. Die Branchendaten stellten AMK-Geschäftsführer Volker Irle, die AMK-Vorstandssprecher Christian Gerwens (Miele) und Bernd Weisser (nobilia) sowie Alexander Wolf von NIQ/GfK vor.
„Die Küchenbranche hat 2025 erneut gezeigt, dass sie auch in einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld zu den stabilsten Bereichen der Möbelwirtschaft zählt“, sagte Volker Irle. Von einer nachhaltigen Erholung könne allerdings noch keine Rede sein. Konsumzurückhaltung, geopolitische Unsicherheiten und die schwache Entwicklung im Wohnungsbau prägten weiterhin das Marktumfeld.
Küchenmöbelindustrie nahezu auf Vorjahresniveau
Die deutsche Küchenmöbelindustrie erzielte 2025 einen Gesamtumsatz von rund 5,63 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von lediglich 0,42 Prozent.
Der Inlandsumsatz entwickelte sich mit einem Plus von 0,08 Prozent nahezu seitwärts und erreichte rund 3,04 Milliarden Euro. Der Auslandsumsatz lag mit rund 2,59 Milliarden Euro um 1,01 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Exportquote blieb mit 46 Prozent auf einem weiterhin hohen Niveau.
Nach Einschätzung der AMK zeigt sich darin eine Stabilisierung des Marktes nach den Belastungen der vergangenen Jahre. Im internationalen Geschäft wirkte sich insbesondere die Entwicklung im wichtigsten Exportmarkt Frankreich negativ aus. Mehrere andere bedeutende Auslandsmärkte zeigten dagegen erste Erholungstendenzen.
„Die Zahlen zeigen, dass sich der Markt nach den Belastungen der vergangenen Jahre stabil entwickelt hat“, erklärte Bernd Weisser, Geschäftsleitung Marketing und Vertrieb bei nobilia sowie Vorstandssprecher der AMK. Für eine stärkere Marktdynamik brauche es jedoch mehr Planungssicherheit, ein stabileres Konsumklima und neue Impulse aus dem Wohnungsbau.

Küchenmöbel bleiben stärkster Teilmarkt des Möbelmarktes
Auch innerhalb der gesamten Möbelbranche behaupteten Küchenmöbel ihre besondere Stellung. Während der deutsche Möbelmarkt 2025 erneut leicht rückläufig war und mit minus 1,1 Prozent wieder das Niveau des Jahres 2019 erreichte, entwickelten sich Küchenmöbel vergleichsweise robust.
Mit einem Anteil von 28,7 Prozent am gesamten Möbelmarkt bleiben Küchenmöbel der bedeutendste Teilmarkt der Branche.
Nach Einschätzung von Bernd Weisser hat die Küche in den vergangenen Jahren strukturell an Bedeutung gewonnen. Homeoffice, veränderte Lebensgewohnheiten und die stärkere Fokussierung auf das eigene Zuhause hätten diese Entwicklung zusätzlich gefördert. Die Küche werde heute zunehmend als zentraler Wohn- und Lebensbereich verstanden und gleichzeitig als langfristige Investition geplant.
Küchenfachhandel steigert Umsatz und Auftragswert
Die Entwicklung im Küchenfachhandel verlief 2025 positiv. Laut GfK-Panelmarkt konnten die Umsätze mit Küchenmöbeln in Deutschland um 3,9 Prozent gesteigert werden.
Gleichzeitig sank die Verkaufsmenge um 1,3 Prozent. Der durchschnittliche Auftragswert erhöhte sich jedoch um 5,3 Prozent.
Der durchschnittliche Küchenpreis lag 2025 bei 12.177 Euro. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 stieg dieser Wert weiter auf 12.404 Euro.
Die Daten deuten auf eine wertorientierte Nachfrage hin. Gefragt sind unter anderem Geräte mit besseren Energieeffizienzklassen, größere Geschirrspüler, Kochfelder mit integriertem Dunstabzug sowie gestaltungsorientierte Lösungen wie matte Oberflächen und schwarze Einbaubacköfen.
„Der höhere Durchschnittswert zeigt, dass viele Kaufentscheidungen heute stärker über den erwarteten Nutzen getroffen werden“, betonte Alexander Wolf, NIQ/GfK Consultant CSM I Elektrogroßgeräte. Verbraucher achteten zunehmend auf Verbrauchskosten, Bedienkomfort, Platznutzung und die gestalterische Integration in den Wohnraum.

Küchenspezialisten gewinnen Marktanteile bei Hausgeräten
Auch im Markt für Haushaltsgroßgeräte zeigt sich die wachsende Bedeutung küchennaher Vertriebskanäle.
Während der Gesamtmarkt für Haushaltsgeräte 2025 unter Druck stand, konnten die Küchenspezialisten ihren Marktanteil bei den klassischen Haushaltsgroßgeräten laut GfK von 14,9 auf 15,6 Prozent steigern.
Besonders positiv entwickelte sich das Geschäft mit Einbaugeräten im Möbel- und Küchenfachhandel. Hier stieg die Verkaufsmenge um 0,8 Prozent. Der Umsatz legte um 2,0 Prozent zu, während der durchschnittliche Auftragswert beziehungsweise Preis um 1,2 Prozent anstieg.
Damit entwickelte sich der Küchenfachhandel besser als zahlreiche andere Vertriebskanäle, die im vergangenen Jahr deutlich stärkeren Belastungen ausgesetzt waren.
„Hausgeräte werden im Küchenfachhandel nicht isoliert verkauft, sondern als Teil eines geplanten Gesamtsystems“, weiß Christian Gerwens, Geschäftsführer Miele Deutschland und Senior Vice President DACH bei Miele sowie Vorstandssprecher der AMK. Genau darin liege die Stärke des Vertriebskanals: Beratung, Planung, Möbel, Geräte und Nutzung würden zusammen gedacht.
Positiver Jahresauftakt 2026
Die deutsche Küchenmöbelindustrie startete mit positiven Vorzeichen in das Jahr 2026.
Im ersten Quartal stieg der Inlandsumsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,22 Prozent auf rund 774 Millionen Euro. Der Exportumsatz legte um 4,01 Prozent auf rund 651 Millionen Euro zu.
Insgesamt erzielte die Branche von Januar bis März 2026 einen Gesamtumsatz von rund 1,43 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Plus von 3,58 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die AMK bewertet diese Entwicklung dennoch zurückhaltend. Der starke Jahresauftakt habe sich in den Folgemonaten nicht in gleicher Dynamik fortgesetzt. Für das Gesamtjahr 2026 geht der Verband deshalb weiterhin von einer Seitwärtsbewegung aus. Eine nachhaltige Markterholung werde erst in den Folgejahren erwartet.
Wohnungsbau bleibt zentrale Stellgröße
Für die weitere Entwicklung der Küchenbranche bleiben Konsumklima und Wohnungsbau die wichtigsten Einflussfaktoren.
Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2026 – unter der Voraussetzung einer schnellen Entspannung im Nahostkonflikt – ein globales reales Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent.
Für Deutschland prognostiziert das ifo Institut ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,8 Prozent im Jahr 2026 sowie 1,2 Prozent im Jahr 2027.
Auf die Konsumneigung wirkt sich diese Perspektive bislang jedoch nur begrenzt aus. Geopolitische Krisen, Inflationssorgen und Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung belasten weiterhin die Anschaffungsbereitschaft der Verbraucher.
Besonders relevant bleibt die Entwicklung im Wohnungsbau. Nachdem 2022 noch rund 300.000 neue Wohneinheiten fertiggestellt wurden, werden für 2026 voraussichtlich weniger als 200.000 Fertigstellungen erwartet.
Positive Signale kommen von den Baugenehmigungen. Im Januar 2026 lagen diese um 8,4 Prozent über dem Vorjahresmonat. Zudem hat sich die Entwicklung der Baukosten wieder normalisiert.
Nach Einschätzung der AMK könnte sich der Wohnungsmarkt ab 2027 wieder stärker beleben und damit zusätzliche Impulse für die Küchenbranche liefern.
Modernisierung bleibt langfristiger Nachfragetreiber
Neben dem Neubau bleibt die Modernisierung des Bestands ein entscheidender Faktor für die Marktentwicklung.
Nach Berechnungen der AMK befinden sich in Deutschland rund 16 Millionen Küchen, die älter als 20 Jahre sind. Das entspricht 36 Prozent des gesamten Küchenbestands.
Aus Sicht der Branche zeigt diese Zahl das erhebliche langfristige Modernisierungspotenzial im deutschen Wohnungsbestand.
Marktanteil von Küchenmöbeln könnte bis 2030 weiter steigen
Trotz der anspruchsvollen Rahmenbedingungen blickt die AMK verhalten optimistisch auf die mittelfristige Entwicklung.
Küchenmöbel bleiben innerhalb der Möbelbranche der stabilste und wachstumsstärkste Teilmarkt. Bis zum Jahr 2030 könnte der Marktanteil von Küchenmöbeln nahezu 30 Prozent erreichen.
Als wesentliche Treiber nennt die AMK Modernisierung, höherwertige Ausstattungen, energieeffiziente Küchentechnik, offene Wohnkonzepte und die wachsende Bedeutung der Küche im Wohnumfeld.
Nach Einschätzung des Verbandes entwickelt sich der Küchenmöbelmarkt zudem unabhängiger von kurzfristigen Konsumschwankungen als andere Möbelsegmente.
„2026 wird voraussichtlich noch ein Übergangsjahr“, sagte Volker Irle. Entscheidend werde sein, ob sich Konsumklima, Wohnungsbau und die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verbessern. Mittel- und langfristig bleibe die Küche jedoch einer der wichtigsten Wachstumstreiber der Möbelbranche.
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